Erst ist alles wirr. Tausende Stimmen schreien wild durcheinander. Die Erlebnisse der letzten Tage blitzen kurz auf, immer wieder kommt es zu Gefühlsausbrüchen. Mein Kopf ist ein Bienenstock.
Doch mit der Zeit beginnen die Stimmen zu verstummen, die Bilder werden weniger und meine Emotionen pendeln sich ein. Dann gibt es nur meine Atmung und einen leeren Raum, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Aber auch dieser Zustand hält nicht für ewig an, 20 Minuten später überkommt mich das Bedürfnis aufzustehen und die Augen zu öffnen. Klar, meinem Gehirn wird es zu langweilig, doch ist dieser Punkt erst einmal überwunden, trete ich in die wahre Versenkung ein, die Stimme in meinem Kopf wird immer stiller, bis sie scheinbar ganz die Sprache vorloren hat, das "ich" beginnt sich aufzulösen und dann ist es endlich soweit: Stille!
sokipan - 11. Sep, 13:30
Entgegen der Behauptung mancher Kritiker des Zen führt die Zen-Meditation den Übenden nicht dazu, daß er sich in Wahrnehmung und Gemüt von seiner alltäglichen Umgebung abschließt und ihr gegenüber gleichgültig wird. Im Gegenteil: Die Zen-Meditation führt bei den Übenden zu einer neuen und größeren Offenheit gegenüber seiner alltäglichen Umgebung und zu einer neuen Intensität in der Wahrnehmung derselben. Er gewinnt dadurch eine innere Ruhe und Stabilität, welche ihm ersparen, auf den sonst üblichen Wegen nach immer neuen Anregungen etc. zu suchen.
Schon nach einigen Wochen der Praxis stellte sich diese Veränderung ein, ohne dass ich sie zuerst bewusst wahr genommen hätte. Erst schien es mir, als ob meine Sinne geschärft wären, doch dann erkannte ich, dass ich nur geneuer hinhörte und hinsah und die Geräusche und Bilder des Alltags nicht mehr einfach ausblenden konnte.
Das Resultat dieser Erkenntnis war, dass ich einen Weg finden musste mich dieser permanenten Reizüberflutung, der wir in unseren heutigen Zeit permanent ausgesetzt sind, zu entziehen. Im Klartext: Ich höre nicht mehr stundenlang Musik oder sitze vor dem Fernseher, weil ich es einfach nicht mehr kann. Es ist für mich alles andere als entspannend. Ich habe eine neue Ordnung geschaffen. Alles, was einfach nur herumstand wurde weggeräumt und entsorgt, quasi ein Schritt zur neuen Schlichtheit.
Die letzten Wochen entspanne ich am Abend mit einer Tasse Tee, einem Buch, autogenem Training und natürlich in dem ich Zazen praktiziere.
Es ist gut so! Es ist rein!
sokipan - 21. Jun, 11:30
Wieder Routine im Aufstehen finden.
Routine im morgendlichen Zazen finden.
Routine im täglichen Sport wieder gefunden haben.
Routine in der Ernährung finden.
Routine im Arbeiten finden.
Routine bei der täglich anfallenden Hausarbeit.
Routine im abendlichen Zazen.
Routine beim Lesen vor dem Schlafen.
Routine beim Einschlafen.
Und wie in einem stark verschmutzten See, setzen sich die Schwebeteilchen mit der Zeit auf dem Boden ab. Zurück bleibt ein klarer Geist.
Ich bin wieder ruhiger, entspannter und gelassener. Jede meiner Mühen etwas an meiner Situation zu verändern war es wert. Nun fühle ich mich befreiter und klarer und ich bin wieder arbeitsfähig. Endlich.
sokipan - 19. Jun, 10:31